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Stuck: „Ich hab mir das ärgern abgewöhnt, aber…“

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Was ärgert dich als professioneller Rennfahrer am meisten?

Was ärgert einen professionellen Rennfahrer im Straßenverkehr am meisten? Hans-Joachim Stuck platzt bei IG-L-Zonen und unkonzentrierten Fahrern der Kragen.

Michael Hintermayer & Fabian Bonora
Fotos: Planai-Classic/Martin Huber

Was ärgert dich als professioneller Rennfahrer am meisten, wenn du im normalen Straßenverkehr, gerade bei solch winterlichen Fahrbedingungen, unterwegs bist? Wo reißt dir der Geduldsfaden?
„Ich hab mir das ärgern abgewöhnt, weil ich mich in meinem Alter in die Leute reinversetzen kann. Die sind ja nicht mehr gewöhnt auf solchen Straßen zu fahren. Heute geht der normale Autofahrer davon aus, dass er erstens ASR, ESP, DSC, ABS hat und sich denkt, das Auto fährt eh von selber. Und zweitens geht er davon aus, dass alle Straßen perfekt gesalzen sind, die Herausforderung ist also quasi nicht da. Wenn es einmal anders kommt, dann bete und freu ich mich immer, wenn alle nur Schrittgeschwindigkeit fahren, weil sie, wenn die schneller fahren würden, alle abfliegen würden.“

„Was mich dann aber doch manchmal ärgert ist, wenn bei normalen Straßenverhältnissen getrödelt wird und dass sie alles machen, was mit dem Auto fahren nichts zu tun hat: Dass sie lange Lücken lassen, auf der Autobahn nicht rechts rüber fahren, beziehungsweise überall links fahren. Die Leute sollen sich einfach generell mehr auf’s Autofahren konzentrieren. Da wird am Navi gespielt, am Radio und so weiter. Wenn sich mehr Autofahrer fokussieren, dann hätten wir weniger Staus.“

Laut einer neuen Studie ist Ablenkung im Straßenverkehr die Hauptursache für Unfälle – zu schnelles Fahren ist „nur“ die zweithäufigste Unfallursache...
„Das denk ich mir eben auch. Aber was führt dazu? Um eines klarzustellen, ich habe durchaus Verständnis für die Umwelt. Nur man muss eines sagen: Auf den Autobahnen, speziell bei uns der IGL-100…das geht gar nicht. Du verlierst logischerweise jegliche Konzentration. Dadurch bist du abgelenkt, das liegt in der Natur der Sache. Dass die Autos 100 km/h fahren dürfen und die LKW`s trotzdem 80 versteh ich sowieso nicht. Weil die LKW`s viel mehr Verschmutzung produzieren, wie wir, wenn wir schneller fahren. Der Unterschied zwischen LKW und PKW ist viel zu gering. Man kann zwar messen, dass bei 100 km/h bisschen weniger Schadstoffe ausgestoßen werden - zielführend ist es aber nicht.”

Wir haben ja eigentlich jetzt schon perfekt präparierte Straßen. Ist der Anreiz so eine Oldtimer-Rallye zu fahren dadurch noch größer?
„Gestern bin ich ja schon zwei Rallyes gefahren. Ich bin von Ellmau bis Salzburg über Lofer auf Schneefahrbahn gefahren, das war schon der Hammer. Gestern war eigentlich ein Tag, wo für den guten Autofahrer Weihnachten ist, weil es einfach toll zum Fahren war. Umso mehr muss man das hier genießen, so wie die Dachstein-Straße hoch, richtig verschneit. Du weißt, es kommt dir keiner entgegen, da kann man sein Auto mal so richtig ausprobieren. Jeder der so eine Winterrallye mitfährt, lernt auch etwas für den normalen Straßenverkehr, weil er sein Popo-Meter wieder sensibilisiert. Lenken, Bremsen, das musst du alles wieder neu lernen. Zudem macht es einen Riesenspaß und steigert eben die Verkehrssicherheit.”

Ein großes Diskussionsthema: Umso mehr Sicherheitssysteme die Autohersteller in ihre Autos packen, umso unkonzentrierter sind die Leute und fahren schlechter, oder?
„Richtig! Wir haben letztes Jahr bei VW etwas Tolles veranstaltet. Wir haben für unsere Markenbotschafter ein Training gemacht, wo wir denen mal unsere Sicherheits-Systeme erklärt haben und was das Auto überhaupt kann. Da war jemand mit einem 1er Golf GTI dabei, der war positiv überrascht, denn er wusste gar nicht, was das Auto heute selber kann. Da sollte man Aufklärung betreiben was diese Systeme überhaupt alles können. Die meisten Leute wissen das nämlich nicht. Aber heutzutage ist es so, dass wenn du ein neues Auto bekommst, zum Händler gehst. Der erzählt dir dann zehn Minuten was, dann bist du eh schon gelangweilt. Der bräuchte ja mindestens eine Stunde zum Einweisen. Oder wer liest denn noch eine Bedienungsanleitung? Kein Schwein! Es sei denn, du stehst mal irgendwo und weißt nicht mehr weiter, dann schaust du nach. Aber, dass jemand mal freiwillig und konsequent das durchliest... da wirst du ja in drei Jahren nicht fertig.

Autonomes Fahren ist im Moment auch im Fokus der Hersteller. Was hältst du davon?
„Also wir fahren ja schon teil-autonom mit Spurhalteassistent und Abstandstempomat. Wenn wir dann aber wirklich voll-autonom fahren und nur noch drin sitzen, dann fahr ich mit der Bahn, mit dem Bus oder mit dem Taxi! So fahre ich sicher nicht mehr! Die Entwicklung wird sicher dahin führen. Das wird auch sicherlich zur Verkehrssicherheit beitragen, ohne jeden Zweifel. Aber bis das mal flächendeckend funktioniert… da bin ich mir nicht sicher, ob ich das noch erlebe.“