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Rauno Aaltonens Meinung zur Rallye-Weltmeisterschaft

Aaltonen Mini

Im Rahmen der Planai-Classic sprachen wir mit Rauno Aaltonen nicht nur über die „gute alte Zeit“ des Sports, sondern auch über die aktuelle Rallye-WM.

Michael Hintermayer | Foto: Martin Huber
Rauno Aaltonen hat in seiner langen Motorsport-Karriere einiges miterlebt. Von den Anfängen des Rallyesports, über die Gruppe B, bis hin zu den heutigen Technikmonstern der WRC. Im Interview zeigte er sich allerdings mit der heutigen Rallye-WM unzufrieden und geizte nicht mit Kritik und harten Worten.

Rauno, was sagst du zum heutigen Rallyesport?
„Ich finde es sehr schade, dass die heutigen Rallyefahrer nicht die Möglichkeiten haben, solche Erfahrungen zu sammeln, wie wir es damals konnten. Nur als Beispiel, die damalige Safari-Rallye. Start der Sonderprüfung, das Ziel erreichten wir 1800 Kilometer später. Danach hatten wir einen kurzen Stopp, dann eine Pause von 30 Minuten und so ging es weiter. Fünf Tage lang, nonstop sozusagen.“

Was denkst du über die Formel der World Rallye Cars, die ja alle auf einem festgelegten Konzept basieren und keine technischen Freiheiten mehr zulassen?
„Die heutige Formel der Rallyewagen hat so teure Autos hervorgebracht hat wie noch nie. Dadurch gibt es zu wenige Werke, die einen Etat geben wollen, um in diesem Sport vorne mitzumischen. Meiner Meinung nach haben die Leute, die das Reglement machen wenig bis keine Ahnung vom Sport, beziehungsweise keine praktische Erfahrung. Die haben keinen Schimmer um was es da geht.“

„Die größte Tragödie für mich war damals die Abschaffung der Gruppe-B-Wagen. Man sagte damals, es wäre im Interesse der Sicherheit. Das stimmt überhaupt nicht. Es lag im Interesse eine Werkes, welches nicht in der Lage war gegen Peugeot zu gewinnen. Sie wollten die Franzosen nicht mehr in der WM haben. Diesem Werk ist es gelungen, dass die FIA die Gruppe B schlagartig verboten hat. Dann kam die Gruppe A, wovon ich nichts halte. Freiheit ist die billigste Lösung aller Probleme, nicht Gleichheit. Die Gesetze und Grenzen der Physik versteht ein guter Fahrer und macht keine Dummheiten.“

Wenn man sich die Onboardaufnahmen der heutigen Rallye-WM ansieht, sind die Autos nicht mehr viel langsamer als die Gruppe B damals, aufgrund der guten Fahrbarkeit. Es wäre doch einem Ogier durchaus zuzutrauen, einen Gruppe-B-Wagen zu fahren oder?
„Die Gruppe-B-Autos waren nicht schwer zu fahren, das ist ein Mythos, zumindest aus meiner Sicht. Das schnellste Auto, dass ich damals getestet habe hatte 1200 PS. Das heißt, man sieht eine Kurve und muss nur früh genug bremsen, weil ja die Beschleunigung aus der Kurve heraus sofort wieder da ist. Mit den schwachen Motoren der heutigen Wagen musst du am Gas bleiben und hoffen, dass du auf der Straße bleibst. Ich bin der Meinung, dass große und starke Motoren nicht gefährlich sind. Was gefährlich ist, ist die Dummheit der Fahrer und Fans.“

Du meinst Übermut?
„Nein, ich meine Dummheit. Nicht fahren können, aber es trotzdem tun. Sie sollten mehr trainieren. Die Zuschauer sind das nächste Problem. Damals in Afrika hätte sich keiner auf die Außenkante einer Kurve gestellt, wie die Europäer es machen. Die wissen komischerweise, wohin ein Auto fliegt, wenn etwas passiert. Ein bisschen mehr Vernunft seitens der Zuschauer wäre nicht schlecht. Vielleicht mangelt es an Physikunterricht in der Schule.“