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66 Jahre Motorsport: Rauno Aaltonen

Der Finne ist der derzeit Dienstälteste aktive Rallyefahrer weltweit und gewährte uns einen Einblick in seine lange Motorsportkarriere.

Michael Hintermayer & Fabian Bonora
Fotos: Ennstal Classic/Peter Meierhofer & Planai-Classic / Martin Huber

Rauno Aaltonen ist eine wahre Legende des Motorsports. Egal ob auf dem Motorrad, mit Speedbooten, Skidoo oder im Rallye-Mini – wo Beschleunigung im Spiel ist, ist der 79-jährige Finne meist nicht weit und meistens auch ganz vorne dabei. Auch bei der Planai- und Ennstal-Classic ist der „Rallyeprofessor“ ein Stammgast, bei dem sich auch so manch erfahrener Pilot gerne Tipps einholt. Im Interview ließ die lebende Legende, die am Sonntag ihren 80 Geburtstag feiert seine 66 Jahre im Motorsport Revue passieren.

Rauno, du biegst bald in die 80. Saison deines Lebens ein und bist einer der am längsten aktiven Rallyefahrer, der immer noch ins Lenkrad greift…

„Meines Wissens gibt es keinen, der länger dabei ist als ich. Meine erste Startflagge habe ich 1951 in einem Rennboot gesehen.“

Du bist als ein Spezialist auf Eis und Schnee bekannt. Kannst du den Leuten drei Tipps geben, wie man auf winterlichen Verhältnissen sicher unterwegs ist?

„Ja sicherlich! Erstens: Das Wichtigste überhaupt ist das richtige Sitzen im Auto. Vor allem mit durchgestreckten Armen kann man nicht Autofahren. Zudem ist Winterkleidung nur bedingt fahrtauglich. Zweitens: Immer genügend Abstand halten. Wenn dir die Zeit zum Reagieren fehlt, hilft alles nicht mehr. Drittens: Man sollte wissen, wie weit man den Lenkeinschlag ausnutzt. Es bringt gar nichts einzulenken, wenn das Auto nicht darauf reagiert. Gott sei Dank haben die heutigen Autos ESP und so weiter…“

Du hast über Jahrzehnte den Rallyesport mitgestaltet und beobachtet. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

„Es hat sich komplett geändert. Als ich angefangen habe, gab es keine Verbindungsetappen. Das waren noch – wie wir es heute nennen würden Straßenrennen – im öffentlichen Verkehr. Das ging aber damals noch, weil viel weniger Verkehr war und die Leute Rücksicht genommen haben. Heute wird nur noch in Finnland Rücksicht auf einen genommen, der etwas zügiger aus der Kurve kommt. Eine Ausnahme gibt es noch: Ich bin dieses Jahr die Carrera Panamericana in Mexiko gefahren. Eine durch und durch großartige Veranstaltung, wo das auch noch funktioniert. Das war wie in der guten alten Zeit.“

„Für mich hat sich der Rallyesport in Europa eher negativ entwickelt. Aber es gibt keine andere Möglichkeit. Man kann nicht sagen, dass es schlecht geplant oder organisiert wäre. Es gibt keine ordentlichen Schotterwege mehr. Entweder sie wurden asphaltiert, oder man darf sie nicht benutzen - Schade eigentlich. Es tut mir leid, dass die heutigen Rallyefahrer das nicht mehr erleben dürfen. Was aber nicht bedeuten soll, dass es heute leichter ist zu gewinnen. Es sind halt alles nur mehr Miniatur-Ausgaben der Rallyes aus meinen Anfangsjahren.“

Du hast als technikaffiner Pilot auch die Evolution der Straßenautos miterlebt…

„Ja, da hat sich einiges getan. Vor allem mit dem Einzug der Elektronik. Obwohl ich die Legende, dass die heutigen Autofahrer schlechter sind als damals – wegen der elektronischen Hilfsmittel, hier einmal verneinen muss. Es ist wie die Römer es zu sagen pflegten: In der Masse verdichtet sich die Dummheit. Zudem sind die Leute zu sehr abgelenkt, weil sie tausende Dinge im Kopf haben. Zudem ist der Verkehr so dicht, dass man nicht mehr schnell fahren kann und deshalb die Leute aus der Übung sind, wenn es zu brenzligen Situationen kommt. Darum braucht man heute keine Autos mehr, die super liegen und fahren. Es kann ja eh keiner mehr auskosten.“

„Heute sind der CO2-Ausstoß, die Farbe, die Mietzinsen und Lifestyle wichtiger als gutes Fahrverhalten. Darum sind die elektronischen Helfer meiner Meinung nach wichtig. Erst nach einem ordentlichen Training oder im Motorsport, sollte man diese Systeme abschalten können. Um ein Beispiel zu nennen: In den 1980er-Jahren habe ich niemanden beibringen müssen, wie man gegenlenkt. Heute kann das keiner mehr. Aber damals musste man es können, sonst wäre man nicht weit gekommen.“

Hattest du auch Vorbilder im Sport?

„Ja, ganz am Anfang war es sicherlich Sir Stirling Moss. Als ich dann ins Saab-Team eingestiegen bin war es sicherlich mein Teamkollege Erik Carlsson. Das war einer meiner größten Momente, als ich ihn bei der 1000-Seen-Rallye schlagen konnte – auf einem nahezu identischen Auto. Noch dazu war er ein großartiger Mensch, der nie aufgegeben hat. Ein  echter Kämpfer, wie man ihn sich vorstellt.“

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